Experten rechnen ab 2013 mit höheren Löhnen

Nach Jahren stagnierender Einkommen können Arbeitnehmer nach Einschätzung von Experten bald wieder mit Lohnsteigerungen rechnen. Wie die "Welt am Sonntag" berichtete, könnten die Bruttolöhne 2013 kräftig anziehen, prognostizierten Forscher des Instituts Kiel Economics. Die Gewerkschaften fordern jetzt schon Lohnerhöhungen. Arbeitgeberpräsident Hundt warnt derweil davor, die Löhne zu schnell zu erhöhen.

Den Forschern zufolge könnte die Zahl der Arbeitssuchenden könnte bis zum Jahr 2014 von derzeit 3,19 Millionen auf 1,88 Millionen zurückgehen. Die Bruttolöhne könnten dann 2013 um 4,3 Prozent und 2014 um 4,9 Prozent steigen, prognostizieren die Forscher. Grund für den Engpass bei den Arbeitskräften sind den Angaben zufolge die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und der erwartete Bevölkerungsrückgang.

Weniger Beschäftigte


Der Rückgang beim Angebot an Arbeitskräften werde die Verhandlungsmacht des normalen Arbeitnehmers erheblich verbessern, sagte Hilmar Schneider, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), der "Welt am Sonntag". Auch der ehemalige Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Paqué, hält einen Schub bei den Löhnen für "wahrscheinlich", da auf dem Arbeitsmarkt weniger junge Erwerbstätige nachrückten als Ältere in den Ruhestand gingen.

Gewerkschaften fordern Lohnerhöhung

Fachkräfte wie Ingenieure fehlen dem Bericht zufolge schon heute in Deutschland. Nach neuesten Zahlen, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) laut "Welt am Sonntag" erhoben hat, waren es im Juli 35.800 Ingenieure. Arbeitslos gemeldet waren weniger als 26.000. Angesichts dieser Zahlen, der wirtschaftlichen Erholung und neuer Rekordgewinne der Unternehmen haben erste Gewerkschaften bereits angekündigt, in den anstehenden Tarifrunden wieder deutlich höhere Löhne durchsetzen zu wollen. Die Beschäftigten hätten einen Anspruch darauf, am Aufschwung angemessen beteiligt zu werden. So hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten "Abschlüsse in Richtung drei Prozent" gefordert.

Hundt warnt vor Partystimmung


Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sieht aber trotz des Konjunkturaufschwungs keinen Spielraum für Lohnerhöhungen. Hundt sagte im Deutschlandfunk, die moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre sei ein Grund für die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt gewesen. "Wir dürfen den derzeitigen Aufschwung auf gar keinen Fall belasten oder gefährden." Er warnte die Gewerkschaften davor, mit zu hohen Lohnforderungen in die kommenden Tarifrunden zu gehen.

Hundt stufte die wirtschaftliche Entwicklung als sehr positiv ein und rechnete mit einem Wachstum "mit einer zwei vor dem Komma". Allerdings gebe es auch Risiken, mahnte der Arbeitgeberpräsident im Deutschlandfunk. Der Aufschwung werde allein von den Exporten getragen, die Binnenkonjunktur sei noch schwach. Zudem klagten vor allem mittelständische Unternehmen über steigende Kreditkosten. "Für Partystimmung ist die Zeit noch nicht reif", sagte er.

Quelle: t-online.de